Röhr Automobilwerke

Vorgeschichte


Pariser Automobilsalon 1929 - Die neuesten Entwicklungen auf dem Sektor des Automobilbaus hatten in der französischen Hauptstadt ein »Rendezvous«. Mitten unter den glänzenden Luxus-Wagen von Bugatti, Delage, Bucciali, Talbot, Lancia, Rolls-Royce, Mercedes und Horch hatte auch ein kleines Automobilwerk aus dem Odenwald sein neuestes Modell ausgestellt. Es war ein neuartiges und sehr fortschrittliches Automobil, das den weiten Weg aus Ober-Ramstadt bis zu den Ausstellungshallen in Paris gefunden hatte – der Röhr 8 Typ R 9/50 PS.

Der Röhr 8 Typ R 9/50 PS war eine Konstruktion von Hans Gustav Röhr und seinem Chefkonstrukteur Joseph Dauben.

Aber wer waren dieser Hans Gustav Röhr und dieser Joseph Dauben, die aus Ober-Ramstadt vom Rande des Odenwaldes, vor die kritischen Augen des Publikums und im speziellen der Fachleute des internationalen Automobilbaus traten?

Hans Gustav Röhr hatte zunächst recht wenig mit dem „Jahrhundertkind“ Automobil zu tun. Der am 10. Februar 1895 in Uerdingen geborene Fabrikantensohn sollte ursprünglich das Bleiwalzwerk des Vaters übernehmen. Das Interesse am elterlichen Betrieb war bei ihm aber eher mäßig ausgeprägt. Große Begeisterung konnte er allerdings für die damals noch in den Kinderschuhen steckende Fliegerei aufbringen.

Er baute 1912 im Alter von 17 Jahren eine eigene Flugmaschine. Fachliche Hilfestellung gab bei dieser Arbeit ein junger Ingenieur der damals bei der Rheinischen Aerowerke GmbH in Düsseldorf arbeitete. Sein Name war Joseph Dauben. Die dabei geknüpfte Verbindung sollte ein ganzes Leben halten. Wenn heute über die Bedeutung von Hans Gustav Röhr für die Automobilentwicklung gesprochen wird, darf der fähige Joseph Dauben nicht vergessen werden.

Im ersten Weltkrieg wurde der junge Hans Gustav Röhr Kampfflieger. Wobei zu erwähnen wäre, dass er seine Fliegerausbildung auf dem „Griesheimer Sand“ nahe Darmstadt erhielt. Seinen Kriegseinsatz versah Röhr in Flandern. Er erzielte dabei zwei Luftsiege. Das Ende des Krieges erlebte er allerdings nicht mehr an der Front. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete er zusammen mit Joseph Dauben bei der Priamus Automobilwerke GmbH in Köln-Sülz an der Konstruktion eines Höhenflugmotors.

Nach Ende des Krieges wechselten die Beiden zum Automobilbau über. Von Anfang an war das Ziel, die im Flugzeugbau gemachten Erfahrungen auch im Automobilbau anzuwenden – sie wollten das „Flugzeug der Landstraße bauen. Zwischen 1919 und 1924 entstanden so einige Prototypen. Die Verbindung zum Flugzeugbau merkte man diesen, zunächst noch in Köln bei der Priamus Automobilwerke GmbH, dann in Berlin bei der Bolle & Fiedler Motorengesellschaft entstandenen Versuchswagen auch an. Das Ergebnis der Entwicklung und Versuche war der Tiefbettkastenrahmen aus Stahlblech, die Einzelradaufhängung, Einzelradlenkung und Leichtbauweise. So sehr sich Röhr dann auch bemühte, in Deutschland fand sich kein Automobilhersteller, der den Röhr-Wagen produzieren wollte.

Werner Schollenberger - Beiträge zur Automobilgeschichte
Hans Gustav Röhr

Werner Schollenberger - Beiträge zur Automobilgeschichte
Der junge Hans Gustav Röhr mit einem Freund vor seinem 1913 fertiggestellten Aeroplan

Werner Schollenberger - Beiträge zur Automobilgeschichte
Hans Gustav Röhr in seiner Morane Saulnier

Werner Schollenberger - Beiträge zur Automobilgeschichte
Hans Gustav Röhr vor seinem Albatros DV im Jahr 1917