Hessische Automobilgeschichte

Die Falcon Automobilwerke - Der Vorläufer von Röhr

Das Unternehmen wurde im August 1920 von den Ingenieuren Carl Au und Walter Stein in Durlach gegründet. Am 12 Juli 1921 traten Gottlieb Hartlieb und der Kaufmann Ludwig Sauber in die Gesellschaft ein. Das Ziel war, in Sontheim bei Heilbronn, wo Gottlieb Hartlieb eine größere Autowerkstatt betrieb, unter dem Markennamen Falcon eine Automobilproduktion aufzuziehen.

Da die Räume in Sontheim schon bald für den Bau von Autos nicht mehr ausreichten, suchten die Verantwortlichen nach einem größeren Werksgelände. Fündig wurden sie in Ober-Ramstadt, wo die dort ansässige Munitionsfabrik Max Walbinger ihre Produkte nicht mehr an den Mann bringen konnte. Walbinger hatte die Fabrikhallen 1917 errichtet und dort bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Zünder für Granaten produziert.

Anfang 1922 erwarb die von der Frankfurter Tellus AG finanzierte Firma Falcon Werke AG den ehemaligen Rüstungsbetrieb. Noch im selben Jahr begann dort die Produktion des Falcon CA 6 6/20 PS.

Der Falcon CA 6 war ein kleiner sportlicher Wagen. Der 4-Zylinder Motor des CA 6 hatte seitlich stehend Ventile, die über Stößel von der unten liegenden Nockenwelle betätigt wurden. Aus 1,5 Liter Hubraum leistete er 20 PS bei 2500 U/min. Die Höchstgeschwindigkeit des CA 6 lag bei 75 km/h. Der Käufer konnte ihn als offenen drei- oder viersitzigen Tourenwagen oder auch als dreisitzige Limousine erwerben. Die Karosserien stammten aus der schwäbischen Heimat der Firmengründer, der Karosseriebaufirma Drauz in Heilbronn. Aber auch die damals gerade in Darmstadt neu gegründeten Ersten Darmstädter Karosseriewerke Georg Autenrieth bekamen Aufträge von Falcon.

Auf Basis dieses Wagens entstanden in Ober-Ramstadt auch mehrere Rennwagen, mit denen das Werk bei den verschiedensten Sportveranstaltungen teilnahm. Meist waren diese Wettbewerbe nur von regionaler Bedeutung, aber Falcon beteiligte sich auch beim Eröffnungsrennen auf der Berliner AVUS im September 1921. Der von Hartlieb gesteuerte Rennwagen nahm auf den Rennverlauf zwar keinen Einfluss, dass er aber ohne Probleme das Rennen durchhielt, wurde als großer Erfolg gewertet.

Werner Schollenberger - Beiträge zur Automobilgeschichte

Bald hatte der Falcon CA 6 den Ruf eines guten, zuverlässigen und leistungsfähigen Automobils. Ausgerechnet 1923, auf dem Höhepunkt der Inflation, beschloss das Ober-Ramstädter Unternehmen, dem CA 6 ein größeres Modell zur Seite zu stellen.

Für den großen Falcon war nun ein 6-Zylindermotor mit oben liegender Nockenwelle vorgesehen, der aus 2 Liter Hubraum etwa 50 PS entwickelte. Doch von diesem Modell, das man CA 8 getauft hatte, kam nicht einmal ein Prototyp auf die Räder. Als 1924 der Ingenieur Hubert Tutschka die technische Leitung des Werks übernahm, gab man den kostspieligen 6-Zylinderwagen zugunsten des Modells Typ T VI auf.

Doch so recht zufrieden waren die Verantwortlichen mit der neuen Konstruktion aber nicht, denn der Motor bereitete Sorgen: Die schräg im Kopf stehenden Ventile, welche über Stößel und Kipphebel von der seitlich liegenden Nockenwelle betätigt wurden, bedingten eine komplizierte Bauweise des Zylinderkopfes. Durch die Form des Brennraums ergaben sich zudem thermische Probleme, die oft zum Versagen der Zündkerzen führten. Trotzdem gab es vom Typ T VI Sportversionen, die aus den knapp 1,5 Liter Hubraum bis zu 45 PS holten. Dabei erreichte das Triebwerk für die damalige Zeit respektable Drehzahlen von etwa 4000 U/min. Die „zivile Variante“ leistete dagegen nur etwa 30 PS.

Der Typ T VI, der nach einem Prospekt dazu bestimmt war, „höchste Ansprüche zu befriedigen“, war das letzte Modell der Firma Falcon. Das Werk geriet in immer größere finanzielle Schwierigkeiten. Als Mitte der 20er Jahre die Einfuhrzölle für ausländische Automobile gesenkt wurden, verdrängten preis-günstig in Massenfertigung hergestellte ausländische Fahrzeuge viele deutschen Konkurrenten vom Markt. Die ausländischen Modelle waren technisch oft besser, als die noch in Einzelanfertigung hergestellten deutschen Wagen. In der deutschen Automobilindustrie setzte ein Massensterben ein, dem auch die Autobauer in Ober-Ramstadt 1926 zum Opfer fielen. Etwa 400 Autos hatten die Falcon-Werke bis dahin gebaut.

„Röhr – Ein Kapitel deutscher Automobilgeschichte“,
Werner Schollenberger, Verlag Günter Preuß, 1996

„Röhr – Die Sicherheit selbst, Werner Schollenberger,
August Horch Museum, Zwickau 2012



Werner Schollenberger - Beiträge zur Automobilgeschichte


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